Echte Liebe? Was ist denn jetzt los?

Dieser Blog handelt von mir. Soweit sind wir denke ich alle schon.
Dieser Blog handelt auch von Büchern, die ich lese (Leseflauten werde ich jetzt nicht aufarbeiten).
Einige von euch kennen mich, persönlich, aus dem Internet, flüchtig, richtig gut usw.
Für die, die mich wirklich richtig gut kennen, wird diese Reihe der Bloggervorstellung wenig neues sein. Weil ich meine Leidenschaften offen zeige, wissen auch viele die mich nur flüchtig kennen, das es diese Leidenschaft gibt.
Vorstellen will ich sie euch trotzdem – so lernt ihr mich ein klein wenig besser kennen und wisst, wer hier regelmäßig bloggt (oder es zumindest versucht zu tun).

Los geht es mit einer weiteren, extrem großen Leidenschaft – neben den Büchern, versteht sich – von mir: Fußball.

Ich kann schon einige von euch hören, wie sie mit den Augen rollen. 😀

Aber glaubt mir, das ist okay so – ich habe schon Schlimmeres erlebt.

Ich gehöre wirklich zu der leider noch viel zu wenig vertretenen Gattung der Fußballweiber (sehr liebevoller Begriff). Und ich verteidige diesen Status und meine Fankultur sehr. Ich lebe sie auch aus – tagtäglich. Das nervt manche, andere können das nicht verstehen, einige provozieren mich direkt und wiederum welche finden das okay.
Mein Verein jedoch macht mich oft sehr stolz – ihr könnt mir glauben, das geht wirklich über das bisschen Gekicke hinaus, was der Verein leistet – und ich bin froh ein Teil der Schwarz-Gelben Familie zu sein.

Borussia Dortmund also? Wie kam es dazu?

Eine Wahl hatte ich nicht so wirklich. Ich wurde zum BVB-Fan erzogen. Mein Vater hat früh dafür gesorgt, das ich eine anständige Erziehung erhalte. 😉
Es klingt schlimmer als es ist – Enterbung war ein Thema, aber ich glaube, dass hätte man nicht wirklich durchgesetzt – denn ich wollte es auch. Wenn du als kleines Mädel einmal von deinem Vater mit ins Stadion genommen wurdest, die Stimmung dort aufgesaugt hast, dann gibt es selten ein Zurück. Allerdings  begreift man da noch nicht, was alles noch auf einen zu kommt, wenn man sich dazu entschließt, Fan zu sein.

Fußball ist ein teures Hobby – Eintrittspreise, Fanartikel, Reisekosten. Das alles für knapp drei Stunden Sport, wo man auch nicht weiß, ob man mit guter oder schlechter Laune nach Hause fährt. Allerdings ist es in Deutschland noch vergleichsweise billig – siehe England. Und jeder hat doch ein Laster, welches eigentlich zu teuer ist.

Fußball-Fans prügeln sich nur? Gut, wir haben selbst in den Reihen einige Chaoten, die nicht wissen wann es gut ist und die ein Spiel als Vorwand nutzen um sich zu hauen. Etwas, das ich auch sehr verurteile und strikt ablehne. Über diese wird auch gerne berichtet, weil sie sich besser verkaufen, als die unzähligen friedlichen Fans drum herum. Angst verbreitet sich leichter und wird schneller aufgesaugt – wir sehen es nicht nur bei diesem Thema. Über die unzähligen gemeinnützigen Projekte die für die Region und auch darüber hinaus wichtig sind, spricht man nur innerhalb des Vereins. Beispiele gefällig? Gerne! Die Fanabteilung bietet Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeit an nach Auschwitz zu fahren. Über mehrere Tage hinweg, wird der Holocaust aufgearbeitet. Man mahnt und gedenkt.
Regelmäßige interkulturelle Veranstaltungen bringen Menschen jeder Form und Farbe, Herkunft, Geschlecht, Religion und was es da nicht noch alles gibt zusammen und ermöglicht ein friedliches Miteinander. Fußball soll Grenzen und Rassismus bekämpfen und sie nicht schaffen. Und das geht, weil für 90 Minuten Minimum ein Gemeinschaftsgefühl herrscht, wo nur eins wichtig ist – der Verein.
Spieler – egal ob noch aktiv oder nicht – nutzen die Plattform des Vereins für eigene soziale Projekte. Sebastian Kehl, ehemaliger Kapitän der Mannschaft, unterstützt eine Stiftung die sich gegen Kinderprostituion einsetzt. Neven Subotic, seines Zeichens Innenverteidger, baut Trinkwasserbrunnnen in Afrika und nutzt seinen Urlaub nicht für einen Yacht-Urlaub, sondern für die Arbeit vor Ort. Wusstet ihr das?

Im Fußball geht es nur um das Geschäft mit dem Geld. Diese Entwicklung ist wirklich besorgniserregend und ja – es ist geht um sehr viel Geld. Fußballer verdienen einen Haufen Geld und wechseln munter umher, damit sie noch mehr Millionen im Jahr verdienen. Vereine geben Summen für einen Kicker aus, den niemand kennt, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Wenn man sich wie ich täglich damit befasst, sind diese Millionenbeträge irgendwann so viel wert wie ein Brötchen. 80 Millionen Euro? Die Dimension ändert sich wenn es um das Thema Fußball geht schneller und so sind 8 Millionen Euro für einen Spieler noch vergleichsweise billig.
Aber es hängt auch sehr viel an so einem Verein. Gerade für die gesamte Region. Unzählige Arbeitsplätze werden geschaffen, die Stadt profitiert von den vielen Fans, die durch die Stadt ziehen und konsumieren – und das tun sie gerne, wenn sie zwei Bier mehr getrunken haben. An so einem Spieltag, wenn 81.359 Männer, Frauen und Kindern zum Stadion pilgern, macht man schon einen starken Umsatz. Es gehört aber auch noch viel mehr dazu, als nur alle zwei Wochen bei einem Heimspiel Kohle zu machen.
Wusstet ihr, dass es auch eine Handball-Abteilung gibt (die Frauen sind ins Finale eingezogen!) und die Jugendarbeit sehr erfolgreich läuft?

Es gibt viele Vorurteile und ich kenne sie alle. Aber das ändert nichts daran wie wichtig diese Leidenschaft für mich ist. Und ich weiß auch, dass viele Vorurteile auch unberechtigt sind, wenn man sich die Mühe macht, genauer hinzusehen.

Doch warum ist mir der Verein Borussia Dortmund eigentlich immer noch wichtig?

Uraltes Bild - wer weiß denn wo ich da war? :D

Uraltes Bild – wer weiß denn wo ich da war? 😀

Eine sehr gute Frage – weil ich einen ganzen Haufen wundervolle Erinnerungen mit schwarz-gelb verbinde.
Jedes „You’ll never walk alone“ was im Stadion von der Südtribüne und den anderen Rängen geschmettert wird, verursacht eine Gänsehaut. Man trifft richtige Typen, egal ob im oder ums Stadion. Die Menschen sind echt und ehrlich. Man findet leicht einen Gesprächspartner und es interessiert niemanden, wer du bist, denn du bist ja schwarz-gelb und das macht dich gleich sympathisch – fremde Fans werden immer kritisch beäugt, aber bekommen dennoch eine Chance. 😉

Ich kann mich an die erste Meisterschaft erinnern, die ich wirklich begriffen habe. Die Meisterschaft, in der ich das erste Mal wirklich alle Spieler kannte und wusste wer sie sind, welche Position sie spielen und was sie gut können. Ich kann mich auch daran erinnern, wie es war, als der Verein sich gerade noch vor der Insolvenz retten konnte und wie erleichtert man war, dass es weitergeht.
Ich kann mich an Familienfeste erinnern, bei perfektem Wetter im Westfalenpark, wo wir das Duplikat der Meisterschale in der Hand halten durften, als mein Bruder und ich noch kleiner waren.
Die Party nach der DFB-Pokalspielniederlage in Berlin, wo wir den ganzen Tag mit 80.000 anderen Fans die Stadt eingenommen haben und obwohl das Wetter am Abend furchtbar war und wir verloren haben, die lautesten und glücklichsten Fans der Welt waren.
Die vielen wunderbaren Menschen, die ich im Laufe meiner Stadionkarriere einfach umarmt habe, weil wir ein Tor bejubeln mussten und es völlig egal war, wer da neben mir stand.
Die aufmunternden Worte, wenn ich mal wieder geheult habe – was mir beim Fußball wirklich extrem oft passiert.
Unzählige spontane Fangesänge und Schlachtrufe  – egal wo ich war.
Die Familiensamstage, wo wir alle immer zusammen saßen, keiner etwas anderes vor hatte und man einfach froh war, dass man zusammen war.
Die unzähligen, leidenschaftlichen Diskussionen über Fehlentscheidungen, Fehlpässe, Fehleinkäufe und was es sonst noch für Fehlgeschichten gibt, die man bis ins kleinste Detail analysieren muss nur um dann am Ende festzustellen, dass man eh nichts ändern kann und es doch einfach hinnimmt, weil es dazu gehört.

Es ist einfach „Echte Liebe“ und die lebt man einfach so, wie sie ist.

Das war der erste Teil meiner Vorstellung! Ich hoffe, ich habe euch nicht mit dem Thema weggelangweilt. 😀

Wie steht ihr eigentlich zum Fußball? Wie findet ihr den ersten Teil meiner Vorstellungsreihe?