Meine lieben Leser,

ich habe gestern eine Weile hin und her überlegt. Soll ich mich zu dem Thema äußern, soll ich es lassen?

Wie ihr sehen könnt, ich habe mich für das Äußern entschieden. Einfach weil ich mir auch selbst Luft machen möchte.

Als ich gestern Morgen aufgewacht bin und den Newsfeed durchscrollte, war meine erste Reaktion Unglauben. Ich denke, vielen anderen ging es ebenfalls so. Unglaube darüber, was dort stand. „Trump neuer Präsident der USA.“ Nun, die Wahl war auch meiner Meinung nach eine Wahl zwischen Pest und Cholera, aber das jetzt dennoch Trump gewonnen hat, war ein unglaublicher Schlag ins Gesicht. Die ersten Stunden habe ich alles aufgesaugt, was ich konnte, was meinen Unglauben nur noch verstärkt hat. Wie können die Menschen jemanden wie Trump wählen? Wie ist das möglich? Das waren nur einige Fragen, die ich mir gestellt haben.

Danach habe ich gewartet – gehofft – dass Jan Böhmermann zugibt, er steckt dahinter und eine riesige und große Nation Monatelang hinters Licht geführt. Die erhoffte Enthüllung blieb aus. Und was bei mir zurückblieb, war die Erkenntnis, dass ein unumstößlicher Fakt geschaffen ist.

Wie geht man nun damit um?

Das ist eine Frage, die ich mir gestern gestellt habe. Das lähmende Gefühl war zunächst überwältigend. Wie kann das sein? Immer und immer wieder habe ich mir diese Frage gestellt. Eine Antwort habe ich nicht bekommen. Ich habe dann versucht, das ganze mit Galgenhumor zu kompensieren. Hat erstaunlicherweise geklappt. Zumindest für eine Weile. Wenn man drüber lachen kann, ist es für eine kleine Weile erträglicher. Humor hilft uns. Doch Humor und Satire halten uns auch den Spiegel vor.

„Wir bashen jetzt die USA und wissen nicht ob wir es nächstes Jahr besser machen“. Das war oft zu lesen, in den Kommentaren unter diesen Bildern und Witzen. Schnell verbreitete sich dann auch ein dementsprechendes Bild. Das Internet denkt schnell mit. Und es führte zu einem weiteren Innehalten. Wir spielen uns gerne auf, denken wir sind die Besseren, diejenigen die es richtig machen werden. Sind wir das tatsächlich?

Die Generation, der ich selbst angehöre, macht mir wenig Sorgen. Brexit und die aktuelle US-Wahl zeigt deutlich, dass die jungen Wähler anders denken. Weltoffen. Bunt. Menschlich.

Die Generation, die älter ist, um sie müssen wir uns sorgen. Doch wie können wir helfen? Wie können wir die Sorgen und Ängste, die von skrupellosen Politikern und Stimmungsmachern geschürt werden nehmen?

Make Humanity Great Again

Es wird uns nicht gelingen mit Hass und Intoleranz auf Trump-Wähler loszugehen. Genauso wie es nichts bringt in Deutschland AfD-Wähler zu beleidigen, bedrohen oder schlimmeres.

Manchmal fällt es schwer. Das geht mir auch so. Ich bin dann wütend und hilflos und entsetzt. Wenn man auf den Schwächsten herumtrampelt, wenn man seine Unmenschlichkeit offen zur Schau trägt, stolz brüllt „Ich bin Deutscher“ und mit dem Finger auf die zeigt, die nicht in das deutsche Bild dieser Person passen. Ich bin dann auch wütend. Aber derart extreme Menschen können wir nicht mehr ändern. Kümmern wir uns um die, die unentschlossen sind, die aus Protest wählen und gar nicht genau wissen, was sie da anrichten.

Vielen in den USA wird es vermutlich auch so gegangen sein. Ich möchte das glauben. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die Hälfte der Bevölkerung, die wählen gegangen ist, wirklich an das glaubt, was Trump ihnen vermittelt hat.

Dagegen werde ich mich sträuben, denn ich glaube an das Gute in den Menschen und muss es auch um in dieser Welt wirklich zu bestehen. Und an dieses Gute in den Menschen müssen wir appellieren. Begegnen wir ihnen mit eben dieser Offenheit, die wir den Minderheiten, Unterdrückten und Geflüchteten entgegen bringen. Nur dann machen wir es besser.

Vielfalt, Weltoffenheit und Toleranz

Wir sollten bei derartigen Sachen immer im Kleinen anfangen. Erstmal bei uns selbst. Streichen wir Wörter wie „behindert“ und „schwul“ als Beleidigung völlig aus unserem Wortschatz.

Verlangen wir als Frauen das gleiche Gehalt wie die Männer. Tragen wir was wir wollen und bezeichnen niemanden als „Schlampe“ weil sie es tut und ihren Körper zeigt.

Versuchen wir nicht jeden südländisch aussehenden Menschen gleich als „Türken“ zu stempeln und versuchen Klischees aus unseren Köpfen zu bekommen. Nicht jeder Italiener ist ein Macho und guter Liebhaber, nicht jeder Russe trinkt Wodka, nicht jeder Pole klaut, nicht jeder Deutsche isst Sauerkraut und trägt Lederhosen.

Und wenn diese kleinen Dinge erledigt sind, dann können wir das große Ganze angehen. Denn mit den kleinen Dingen sind wir schon ein Vorbild für einige und bestärken Andere und Unsichere vielleicht sich zu trauen. Sich gegen Hass und Angst zu stellen.

Stärken wir die Rechte von Frauen, LGBT+, körperlich und geistig Behinderten, Gläubigen von jeder Religion auf dieser Welt, Menschen jeder Herkunft und sozialem Hintergrund.

Wenn wir das hinbekommen und zeigen, dass sich „Humanity“ lohnt und dies der richtige Weg ist, dann haben wir das erreicht was sonst keiner geschafft hat. Und bringen so all die Trumps und Petrys dieser Welt zu verstummen.