Der Buchmesse Tag Zwei war wesentlich organisiert und deutlich weniger Rennerei. Und geprägt von vielen wunderbaren Momenten.

Früh ging es für mich los und mit sehr viel Bahnchaos. Was allerdings auch meine eigene Schuld war, denn ich bin in die falsche Bahn eingestiegen.
Nach mehrmaligem Hin und Her kam ich dann doch irgendwie zum Messegelände gekommen und habe mich dort natürlich wieder mit Tali getroffen. Auf uns wartete ein sehr langer Messetag, denn die Chatadias hatten geladen und wollten abends den Pub unsicher machen, also wollten wir den Tag etwas entspannter angehen und uns Dinge anhören.
Nur durch Zufall fanden wir einen interessanten Programmpunkt, den wir uns nicht entgehen lassen konnten. Und damit ging der Tag auch wirklich los.

Über erfrischend ehrliche Kinder, Susannes und erste Sätze

Wir haben uns dann bei dem Gespräch der Kinder mit dem Bleilaus-Verlag eingefunden. Umringt von anderen neugierigen Erwachsenen, erzählten 12-jährige Kinder von Freundschaft, Liebe und Sex.
Ganz allmählich hat die Moderatorin die Kinder an das Thema Sex herangeführt und die Antworten der Kinder haben für einige Lacher gesucht. So war die Antwort von Lara auf die Frage, warum ihre Beste Freundin ihre Beste Freundin ist: „Weil sie mir wie ein Hündchen hinterher läuft und macht was ich sage.“
Lara ruderte allerdings auch im Laufe des Gesprächs zurück und gab zu, dass ihre Freundin auch cool ist und macht was sie sagt.

Kinder über Freundschaft, Liebe und Sex

Beim Thema Liebe waren sich alle einig: Eltern, Geschwister und Handys kann man lieben.
Hässliche Menschen sind laut Lara nicht liebenswert, außer sie haben schöne Haare oder schöne Klamotten. Eine schöne Frau geht auch.
Tali und ich haben uns oft angucken müssen, bei den Antworten. „Kannst du dir ein Leben ohne deine Zwillingsschwester vorstellen“, wurde mit einem eiskalten und schnellen „Ja.“ beantwortet.
Als es dann zum Thema Sex kam, war natürlich ein wenig Gekicher dabei, während die Kinder die Anatomie von Junge und Mädchen beschrieben. Dann wurde aus dem Buch vorgelesen und man zeigte die selbstgemachten Kurzfilmchen, die die Kinder ebenfalls entworfen haben. Zum Thema Kennenlernen und Entstehung eines Kindes. Sehr zum Lachen brachte uns auch die Liste mit Schritten des Miteinander-Schlafens.

Beschwingt durch die Kinder, ging es dann weiter zur Leipziger Wortmeisterschaft im Forum Hörbuch + Literatur.
Die Regeln dafür sind schnell erklärt. Vorgetragen werden nur die ersten Sätze der eingesendeten Texte. Jeder Satz tritt in einer Kategorie gegen andere an, später direkt gegen einen anderen, solange bis der Sieger feststeht. Das Publikum entscheidet. Mit jeder weiteren Runde, werden mehr Sätze vorgelesen, bis im Finale ein größerer Teil des Textes gelesen wird.
Und nicht einfach nur durch Applaus oder Handzeichen. Wir sollten den Jubelruf der Isländer während der EM imitieren, was für ein cooles Feeling gesorgt hat. Lustig war es dann, wenn nur zwei Leute laut klatschten und „HU!“ riefen.
Der Sieger erhielt dann ein Preisgeld von 85 Deutsche Mark. Warum die D-Mark? Weil auf den Scheinen Autoren abgebildet sind!

 

Finale der Wortmeisterschaft

Es ging dann los mit den Kategorien: Ruhe und Unruhe, Männer, Namen, Straßen und Häuser.
Die Teilnehmer waren meistens Verlagsautoren, eine junge Frau jedoch war noch gänzlich ohne Veröffentlichung und einige Selfpublisher haben auch ihr Glück versucht.
Einen Favoriten habe ich natürlich auch gehabt, der jedoch nicht gewonnen hat und leider auch vor dem Finale ausgeschieden ist. „Das letzte was Siegfried Reske durch den Kopf ging, war eine Kugel.“

Vor der Wortmeisterschaft jedoch kam es zu einem grenzenlosen Bespiel Menschlicher Güte. Nicht.
Wir konnten durch geschickte Platzierung beim Warten einen Tisch ergattern mit zwei Stühlen. Während wir also gerade dabei waren die Rucksäcke abzulegen und uns hinzusetzen, pirschte sich Susanne an. Susanne, eine Frau mittleren Alters mit dem Drang sich beliebt zu machen. Tali war bereits in der Hinsetzbewegung, als Susanne den Stuhl energisch wegzog. Tali hielt diesen fest. Susanne frage, ob sie sich setzen möchte, was Tali bestätigte. Doch Susanne gab nicht auf und zog den Stuhl ganz weg mit den Worten „Tja, ich möchte auch sitzen und nicht mehr auf dem Boden hocken.“ Der Stuhl war verloren, doch das war nicht das, was so schockierte, sondern vielmehr die Dreistigkeit von Susanne.
Mit etwas Glück konnte ich Tali dennoch einen Stuhl ergattern.
Es stellte sich heraus, dass Susanne ebenfalls ihren Text bei der Wortmeisterschaft eingesendet hatte. Und sie wechselte nochmal den Platz zu einem anderen freien Stuhl, nachdem die Veranstaltung begonnen hatte.
Sie flog in der zweiten Runde raus. Karma war uns wohlgesinnt.

 

Doctor Who, Take One und Verkaufe Seele gegen Cuba Libre

Der nächste Punkt auf unseren To-Do war dann ein Panel mit Roger Langridge, ein Comiczeichner, der unter anderem The Muppets, Popeye und Doctor Who gezeichnet hat.
Während des Gesprächs ging der Moderator, der Redakteur der Doctor Who Comics bei Panini auch auf die Vergangenheit des Zeichners ein und es war super interessant zu lauschen.
Roger zeichnete das erste Mal für das Doctor Who Magazine 1998, beim 35-jährigen Jubiläum. Dort musste er auch alle bis dato aufgetretenen Doctors zeichnen (Ich kann mich nie entscheiden, ob ich die Deutsche oder die Englische Variante der Vokabeln nehmen soll. Ich bevorzuge die Englischen, weil ich die Serie nur auf Englisch kenne. Also, bitte verzeiht mir mein furchtbares Denglisch).

Roger zeichnet den 10. Doctor

Lunchpaket und Premiumplatz. Schwarzes Sofa am Schwarzen Sofa!

Er erzählte auch aus dem Nähkästchen, dass er das große Glück hatte, alle Doctors zu zeichnen – auch den War Doctor – und dass die Comics das Feeling der BBC Serie beibehalten, was sie so großartig macht.
In den Comics selbst gibt es noch weitere Companions, die in der Serie nicht umgesetzt werden konnten oder können und das Magazine hat weitesgehend freie Hand bei den Stories. Einzig die Charaktere der Serie müssen genehmigt werden.
Beim Anschließenden Q&A erzählte Roger dann, dass Capaldi ihm sehr viel Spaß mache, während der Smith-Doctor ein Albtraum war, da sein Gesicht so wenig her gäbe. Matt Smith habe nicht mal Augenbrauen!
Entgegen der Meinung viele seiner Kollegen zeichnet er die Daleks ganz gerne und stellte das dann auch prompt im Live-Zeichnen unter Beweis. Neben dem Dalek zeichnete er noch einen Tennant-Doctor (mein Fangirlherz schlug in dem Moment am meisten!) und einen Doctor Kermit.

 

 

Toby Thompson. Es war Liebe auf den ersten Vers!

 

Michael Kühn und sein Slam über Gesteine

Nach dem wunderbaren Panel schlenderten wir noch ein wenig durch die Hallen, haben uns einen wunderbaren Poetry Slam angesehen, bevor wir uns dann zum Cuba Libre Empfang gesellen wollten. Wirklich, Cocktails auf der Messe anbieten – das ist voll unser Ding!
Gesagt, getan. Jetzt muss ich vielleicht dazu sagen, dass die Zeitung „Junge Welt“ diesen Empfang ausgetragen hat. Vielleicht hätte ich mich vorher mal informieren sollen, doch im Laufe des Vortrags wurde mir schon klar, was hier abgeht.
Während als Special Guest ein ehemaliger Profisportler und Radfahrer Anekdoten preisgab, wurde es dann doch unterschwellig politischer, als ich es erwartet habe. Sollten wir gehen und den Cuba Libre sausen lassen? Problem war, wir waren bereits eingekesselt. Begeisterte Zwischenrufe von Frauen, als über die DDR gesprochen wurde und eine so linke Meinung, dass man Angst hatte, dass die einfach vom Rand fallen, sorgten nicht gerade für Wohlbefinden. Als der Cuba Libre dann ausgegeben wurde, haben Tali und nur noch einen geschnappt und das Weite gesucht. Meine Seele habe ich vermutlich an dem Stand verkauft.
Für einen Cocktail.
Die Messe war damit für uns vorbei, der Tag noch lange nicht, denn wir machten uns auf den Weg zum Noel’s, einem wunderschönen Pub, wo dann nach und nach die Chatadias eintrudelten. Der Abend war wunderbar. Und sollte hier nicht breitgetreten werden, denn er gehörte nur uns. Nur soviel: ich habe jede Sekunde genossen und wollte gar nicht weg.

Und mit Vorfreude im Bauch auf den dritten Tag auf der LBM, fuhr ich spät in der Nacht zurück nach Halle.

Habt ihr auch etwas über euren „Buchmesse Tag Zwei“ zu berichten?